Die angekündigten Pläne der WHU für Düsseldorf haben mich tief enttäuscht. Als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Verbandsgemeinderat Vallendar sehe ich darin einen schweren Schlag für unseren Hochschulstandort. Es geht um eine Partnerschaft, die unsere Stadt und unsere Verbandsgemeinde mitgetragen haben. Und es geht um die Frage, was gegenseitige Verlässlichkeit wert ist, wenn sich strategische Ziele ändern.

Was angekündigt ist und was offenbleibt

Die WHU hat am 7. Oktober angekündigt, ihre Aktivitäten künftig auf einem neuen Campus in Düsseldorf zu bündeln. Stiftung und Stadt wollen dafür in exklusive Grundstücksverhandlungen eintreten. Als Ziel für die Realisierung nennt die Hochschule das Jahr 2034. Die bisherigen Standorte sollen bis auf Weiteres bestehen bleiben; die Übergangsschritte sollen erst im weiteren Planungsverlauf konkretisiert werden.

Das ist eine klare strategische Richtung. Eine tragfähige Zukunftsperspektive für Vallendar lässt sich aus einem „bis auf Weiteres“ jedoch nicht ableiten. Genau diese Perspektive brauchen die Menschen und die kommunalen Verantwortlichen hier.

Hinter einem Hochschulstandort stehen Menschen

Ein Wegzug würde weit über die Hochschulgebäude hinaus wirken. Beschäftigte und ihre Familien müssten sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Für Handel, Gastronomie und Dienstleister könnte Nachfrage verloren gehen. Vermieter müssten sich auf Veränderungen einstellen. Und unserer Region drohten der Verlust junger Talente, wissenschaftlicher Kontakte und unternehmerischer Impulse.

Das genaue Ausmaß dieser Folgen muss belastbar untersucht werden. Für erfundene Schadenssummen ist die Lage zu ernst. Ebenso falsch wäre es, die Bedeutung des Vorhabens für Vallendar kleinzureden. Hier steht ein wesentlicher Teil unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf dem Spiel.

Investitionen schaffen Vertrauen und Erwartungen

Stadt und Verbandsgemeinde haben viel in den Standort investiert und seine Entwicklung begleitet. Wir haben dies im Vertrauen auf eine gemeinsame Zukunft getan. Öffentliches Geld, kommunale Entscheidungen und das Engagement vor Ort verdienen einen verantwortungsvollen Umgang.

Deshalb erwarte ich, dass die bisherigen Leistungen und Vereinbarungen transparent zusammengetragen werden: Welche Investitionen wurden mit Blick auf den Hochschulstandort getätigt? Welche Zusagen bestanden? Und welche Folgen ergeben sich daraus für die nächsten Schritte? Pauschale Forderungen helfen uns ebenso wenig wie ein bloßes Schulterzucken.

Wer wurde wann einbezogen?

Die öffentliche Ankündigung stellt die Zusammenarbeit von WHU, Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen heraus. Daraus allein lässt sich nicht ableiten, wer zuvor informiert oder an Gesprächen beteiligt war. Genau das muss jetzt offengelegt werden.

Seit wann bestehen die Verlagerungspläne? Wann wurden die Stadt Vallendar, die Verbandsgemeinde und das Land Rheinland-Pfalz informiert? Welche Möglichkeiten hatten sie, eigene Perspektiven und Alternativen einzubringen? Wurde eine Weiterentwicklung in Vallendar ernsthaft geprüft?

Diese Fragen müssen beantwortet werden, bevor Verantwortlichkeiten abschließend bewertet werden können. Sollte sich bestätigen, dass langjährige Partner bei einer Entscheidung dieser Tragweite außen vor geblieben sind, wäre das aus meiner Sicht ein erheblicher Vertrauensbruch.

Jetzt braucht Vallendar eine gemeinsame Stimme

Ich erwarte, dass Stadt, Verbandsgemeinde und Landesregierung gemeinsam mit der WHU unverzüglich klären, welche Entscheidungen bereits getroffen sind und wo noch Gestaltungsspielraum besteht. Die kommunalen Gremien gehören in diesen Prozess eingebunden. Beschäftigte, Studierende und die örtliche Wirtschaft brauchen verlässliche Informationen.

Aus Mainz erwarte ich einen sichtbaren Einsatz für den Wissenschaftsstandort Vallendar. Dazu gehört, konkrete Möglichkeiten für den dauerhaften Erhalt von Lehre, Forschung und unternehmerischer Vernetzung vor Ort auszuloten. Unsere Region darf bei diesen Gesprächen nicht auf die Rolle eines Zuschauers reduziert werden.

Für mich gilt dieser Maßstab unabhängig vom Parteibuch. Der politischen Freude über einen neuen Campus in Düsseldorf steht die berechtigte Sorge unserer Region gegenüber. Mein Auftrag ist es, die Interessen der Menschen in unserer Verbandsgemeinde zu vertreten.

Die WHU verbindet ihre Zukunftspläne ausdrücklich mit gesellschaftlicher Verantwortung. An diesem Anspruch muss sie sich auch im Umgang mit Vallendar messen lassen. Verantwortung zeigt sich gerade dann, wenn Entscheidungen für bisherige Partner unbequem werden.

Vallendar verdient Klarheit, Respekt und eine echte Zukunftsperspektive. Dafür werde ich mich einsetzen. Vertrauen verpflichtet. Auch beim Standort.

Quelle und Einordnung

WHU-Mitteilung vom 7. Oktober 2026, geprüft am 8. Oktober 2026. Die Angaben zu den Campusplänen beruhen auf dieser Veröffentlichung. Die beschriebenen örtlichen Folgen sind eine politische Bewertung möglicher Auswirkungen, keine bezifferte Schadensprognose.

Persönliche Stellungnahme von Marco Pusceddu in seiner Funktion als CDU-Fraktionsvorsitzender im Verbandsgemeinderat Vallendar. Sie nimmt keine noch ausstehenden Stellungnahmen oder Gremienbeschlüsse vorweg.