Wer liest, Deutschlands Stromversorgung sei unsicherer als die des Irak, dürfte sich erst einmal wundern. Ich habe deshalb in den „Global Energy Security Index 2026“ des britischen Adam Smith Institute geschaut. Mich interessiert, was eine solche Aussage trägt. Schließlich brauchen wir für Energieentscheidungen vor Ort eine belastbare Grundlage.

Eine Formel mit eingebauter Richtung

Deutschland steht im Index auf Platz 69, der Irak auf Platz 66. Ein Viertel der Gesamtnote entspricht dem Anteil der Stromerzeugung ohne Wind, Sonne und Meeresenergie. Zusätzlicher Solarstrom kann diesen Teilwert verschlechtern, obwohl die bisherigen Kraftwerke verfügbar bleiben. Das sagt noch nichts über die Veränderung der Gesamtnote aus.

Die Formel beantwortet nicht, ob Erzeugung und Verbrauch in einer kritischen Stunde zusammenpassen. Dafür müsste man auch verfügbare Leistung, Speicher, Netze und Verbrauchsflexibilität berücksichtigen.

Beim Importkriterium erhalten Nettoenergieexporteure pauschal die Bestnote. Ein Überschuss an exportiertem Erdöl beweist aber nicht, dass für die eigenen Gaskraftwerke genug Brennstoff vorhanden ist.

Die Autoren empfehlen einen Baustopp für Wind und Solar. Mich überzeugt das nicht: Wenn deren Anteil bereits einen Teilwert verschlechtert, ist ein besserer Punktestand ohne sie noch kein unabhängiger Nachweis sichererer Versorgung. [1]

Ölreichtum ist keine Steckdose

Für den Irak ohne die autonome Region Kurdistan nennt die US-Energiebehörde EIA für 2024 rund 25 Gigawatt verfügbare Leistung bei einem sommerlichen Spitzenbedarf von 48 Gigawatt. Die Analyse beschreibt Probleme mit Netzen, Kraftwerken und Brennstoffversorgung. Nach den dort wiedergegebenen irakischen Angaben hängen mehr als 30 Prozent der Stromerzeugung von Gasimporten aus Iran ab. [2]

Wer Rohstoffe exportiert, hat damit noch lange keine zuverlässige Stromversorgung organisiert. Eine Rangliste, die diesen Unterschied verdeckt, hilft der öffentlichen Debatte wenig.

Wer bezahlt das Institut?

Auch der Absender verdient einen Blick. Tobacco Tactics, ein Angebot der Forschungsgruppe zur Tabakkontrolle an der Universität Bath, dokumentiert frühere finanzielle Unterstützung des Instituts durch Tabakunternehmen. Nach der dortigen Darstellung legt das Institut seine Finanzierungsquellen auf seiner Website nicht offen. [3]

Wer uns die Energieversorgung erklären will, könnte zunächst die eigenen Geldgeber beleuchten.

Die Geldgeberfrage ersetzt keine Prüfung der Argumente. Genau deshalb lohnt der Blick auf die Rechenregeln. Eine Finanzierung dieser konkreten Studie durch Ölkonzerne ist mit den hier verwendeten Quellen nicht belegt.

Sicheren Strom gibt es nicht per Rangliste

Deutschland hat reale Aufgaben zu lösen. Im Versorgungssicherheitsmonitoring von 2025 nennt die Bundesnetzagentur bis 2035 einen zusätzlichen Bruttobedarf an steuerbarer Leistung von bis zu 22,4 beziehungsweise 35,5 Gigawatt, abhängig vom Szenario. Sie betont zugleich erneuerbare Erzeugung, Netze und Verbrauchsflexibilität. Sichere Versorgung ist eine Aufgabe für das gesamte System. [4]

Für Urbar heißt das für mich: Projekte sauber prüfen, Kosten offenlegen und den tatsächlichen Nutzen erklären. Das knüpft an meinen Beitrag „Erneuerbare Energien für Urbar“ an: vorhandene Untersuchungen nutzen, geeignete kommunale Dächer prüfen und Anlagen anhand ihres tatsächlichen Nutzens planen. Verbrauch, Kosten und technische Voraussetzungen müssen zusammenpassen.

Wer eine Solaranlage vorschlägt, muss erklären können, was sie leistet. Wer ihren Ausbau stoppen will, sollte denselben Anspruch erfüllen. Das überzeugt mich mehr als eine spektakuläre Rangliste.

Quellen und Einordnung

Quellen geprüft am 25. Oktober 2026. Die Irak-Zahlen beziehen sich auf 2024 und auf das Versorgungsgebiet ohne die autonome Region Kurdistan. Der deutsche Kapazitätsbedarf wird ausdrücklich nach dem Monitoringbericht von 2025 wiedergegeben.

  1. Adam Smith Institute: Global Energy Security Index 2026, insbesondere S. 15 und 26–32
  2. US-Energiebehörde EIA: Country Analysis Brief – Iraq (2025)
  3. Tobacco Tactics, Universität Bath: Adam Smith Institute (Stand September 2026)
  4. Bundesnetzagentur: Versorgungssicherheitsmonitoring (03.09.2025)

Weiterlesen: Die Energiereihe · Strom verdient eine sachliche Debatte · Erneuerbare Energien für Urbar

Dieser Beitrag gibt meine persönliche politische Bewertung wieder. Er ist keine offizielle Mitteilung der Ortsgemeinde Urbar, der Verbandsgemeinde Vallendar, der CDU oder einer CDU-Fraktion.